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joergkoenig1 (ät) gmx.net
Datum
03´22
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fRANKb
Lektorin
cHRISTIANEb

JASON KAHN

Perkussionist, Elektronikmusiker, Gitarrist, Sänger, Komponist, Improvisator, Klangkünstler, Autor

„Es wird immer weitergehen, Musik als Träger von Ideen“  (Kraftwerk, „Techno Pop“)

Als ich vor einiger Zeit bei A-MUSIK die beiden Platten Drums and Metals und Songs for Nicolas Ross von Jason Kahn fand, kannte ich seinen Namen schon aus einem ganz anderen Kontext:

Gegen Ende der 80er Jahre war ich großer Fan von SST, einem Plattenlabel , das aus der US-amerikanischen Punk-und Hardcore-Bewegung hervorgegangen war und auf dem so aufregende und wegweisende Bands wie Minutemen, Black Flag, Blind Idiot God, Meat Puppets, Sonic Youth und Saccharine Trust irre gute Platten veröffentlichten. Joe Baiza, der großartige Gitarrist der kalifornischen Band Saccharine Trust, liebte Punk und Jazz gleichermaßen und gründete mit ein paar Gleichgesinnten, unter anderem dem Drummer Jason Kahn (der vorher schon in Punk-Bands gespielt hat aber auch Jazz mit Cruel Frederick), eine Band namens The Universal Congress of, die Jazz, Funk, Blues und freie Improvisation mit der Erfahrung von Punkrock verband. War ihre erste LP noch eine Art Impro-Rock, brachten sie 1988 eine EP mit lupenreinem Jazz raus: This is Mecolodics. Inspiriert von Ornette Coleman, enthielt sie zwei Eigenkompositionen von Joe Baiza und drei Coverversionen. Die Musikpresse, darunter so ultra-hippe Blätter wie SPEX/Magazin für Popkultur, das ich damals las, machte einen ziemlichen Wirbel um diese Platte und verhalf der Band zu einem vorübergehenden Erfolg, mit dem sie wohl selbst nicht gerechnet hatte; sie spielten auf ihren Tourneen in vollen Clubs, so auch im Underground in Köln-Ehrenfeld, wo ich sie zum ersten Mal live erlebte.

9. November 2021, Atelier Dürrenfeld/Geitel; Körnerstraße in Köln-Ehrenfeld

Auf Corona-bedingt relativ weit auseinander stehenden Stühlen sitzen sieben oder acht schweigende Personen und warten auf das angekündigte Konzert mit Jason Kahn. Er ist als Elektronik-Musiker angekündigt; erst solo und später in einer improvisatorischen Begegnung mit dem Saxophonisten Salim Javaid, der Clavinet-Spielerin Marlies Debacker und dem Tuba-Spieler Carl Ludwig Hübsch (der an diesem Abend verhindert ist).

Jason Kahn hat drei Geräte vor bzw. neben sich: ein analoger Synthesizer; für mich, der ich überhaupt keine Ahnung von elektronischer Klangerzeugung habe, ist es nur ein Koffer mit einem Gewirr bunter Kabel und vielen Reglern, ein Mischpult und ein Radio.

Ich achte vor allem auf seine Performance: Sie ist nicht starr: seine Arme und Hände sind in permanenter, schneller, fließender Bewegung, wie die eines Schlagzeugers bzw. Perkussionisten, als den ich ihn ja bis dahin hauptsächlich wahrgenommen habe. Er greift nach den Enden der Kabel, hält sie fest in seiner Faust gedrückt oder er legt die Hände flach über die Kabel. Oft lässt er ein elektromagnetisches Mikrofon über die Kabel schweifen. Ein Hauptelement seiner Musik sind Rückkopplungen; ein ständiges Fiepen, Pfeifen und Brummen; ein Knacken, Surren, Knistern, Klacken, Poltern, Flattern; die geheimnisvolle Klangwelt elektrischer Stromkreise …

Alle diese seltsamen Sounds mischen sich mit Sequenzen aus Radiosendern und Einspielungen von Aufnahmen, die er vor dem Konzert auf Straßen, Plätzen etc. gemacht hat. Was ihn daran reizt, ist die Unkontrollierbarkeit dieses Settings, die nur ein intuitives Vorgehen zulässt; nicht genau zu wissen, was kommt. Er selbst bezeichnet es als „chaotisches Netzwerk“.

1990 steigt er bei The Universal Congress of aus und zieht nach Ost-Berlin, angezogen von der Atmosphäre dort unmittelbar nach dem Fall der Mauer. Er spielt als Drummer mit den frei improvisierenden Musikern Ost-Berlins, lernt Dietmar Diesner, Connie und Hannes Bauer, Ernst-Ludwig Petrowsky und andere kennen. Gleichzeitig taucht er in die noch junge Techno-Szene ein.

Bei dem syrischen Oud-Spieler Fahran Sabbagh studiert er die arabische Rahmentrommel und bei dem iranischen Trommler Madjid Khalaj die Tombak. Diese Studien sind für ihn entscheidend: hier lernt er, sich auf eine einzelne Trommel und deren spezifische Klangeigenschaften zu konzentrieren. Sein Interesse gilt nun der äußersten Reduktion auf bestimmte, sorgsam ausgewählte Klänge und deren Erforschung.

Seit 2000 lebt Jason Kahn in Zürich.

Drums and Metals, 1999

Die oben schon erwähnte frühe Schlagzeug-Solo-CD enthält Kompositionen, für die Kahn ausgewählte Teile des Drum-Sets miteinander kombiniert, z.B .Glocke und Snare Drum oder Bass Drum, Snare-Drum, Hi-Hat, Becken, Glocke und Metallscheibe. Nichts Komplexes gibt es hier: manchmal spielt er techno-artige Rhythmen. Der Reiz besteht in dem jeweiligen Hinzufügen und Wegnehmen der einzelnen Komponenten, dem strikten Minimalismus, wenn er beispielsweise nur eine Obertonreihe auf der Snare spielt, die Klänge ausschwingen lässt, ihnen nachhört.

Zusätzlich zur Perkussion beginnt Kahn auch mit Elektronik, der eigenen Stimme, der Einbeziehung des Raumes sowie mit Umweltklängen zu experimentieren.

Quelle: discogs.com

On Metal Shore, 2011

Diese Platte enthält ebenfalls Perkussionsklänge; aber deren Herkunft ist rätselhaft: es sind Klänge, die er an verschiedenen Orten seiner Schweizer Heimat und in Portugal aufnahm: ein Geländer am Zürichsee, das er mit seinen Händen bespielt hat, besonders resonierende Wassertanks, ein Abflussrohr, auf einer Baustelle gefundene Metallrohre, in die er Mikrofone versenkt hat …

Er kombinierte diese Klänge mit anderen, in seinem Studio aufgenommenen: eine Installation aus Drähten und Blechdosen, Teile seines Drum-Sets, diverse Metallobjekte. Zusätzlich verwendete er durch Schallwandler erzeugte Schallwellen, um diese Objekte in Schwingung zu versetzen. Insgesamt entsteht so der Eindruck von elektro-akustischen Kompositionen.

Monads, 2017

Das Vinyl-Doppelalbum enthält vier 18-minütige Kompositionen, die separate Aspekte seines Schaffens in den Fokus stellen: Electronics, Percussion, Environmental, Voice.

In Percussion könnte man glauben, eine Kombination von perkussiven und elektronischen Sounds zu hören. Dieser Eindruck ist darauf zurückzuführen, dass nicht nur die Percussion selbst – sein Drum-Kit und metallene Objekte – eine Gestaltungsfunktion haben, sondern auch eine spezifische, ausgeklügelte Mikrofonierung, durch die es ihm möglich ist, mit Rückkopplungen zu arbeiten und eine Leise-Laut-Umkehrung zu erzeugen, also sehr leise gespielte Klänge so verstärkt werden können, dass sie lauter klingen als real „laut“ gespielte Klänge. Auch ist es ihm möglich, mit der Resonanz des Raumes (seines Studios) zu arbeiten, sie in seine Komposition einzubeziehen.

Quelle: rtrfm.com.au

Man könnte einwenden, dass das alles nicht neu ist, da Komponisten wie Karlheinz Stockhausen und John Cage lange vorher mit diesen Dingen experimentiert haben. Jason Kahn geht es aber auch nicht um Innovation als solche; er bezieht sich bewusst auf solche Vorbilder, lässt sich von deren Arbeiten inspirieren und gestaltet seine eigene Version. Am radikalsten sind vielleicht seine Experimente mit der eigenen Stimme, wie z.B. in seiner Komposition Voice.

Seine rein elektronischen Arbeiten bereiten mir gewisse Schwierigkeiten. Wie ich schon vorher erwähnte, habe ich nicht nur keine Ahnung von der Erzeugung dieser Klänge, vielmehr bereitet mir das Hören rein elektronischer Musik Probleme (ich habe selbst als Gitarrist immer wieder mit ElektronikFreaks improvisiert und fand das meistens gut, aber das ist etwas anderes!). Ich habe oft keinen emotionalen Zugang zu ihr oder sie bereitet mir sogar ein gewisses Unbehagen.

Mir ist aber klar: Wenn ich neugierig und wach bleiben will, ist es wichtig, eine gewisse Distanz zu meinen Vorlieben und Abneigungen zu entwickeln; quasi meine Komfortzone ein Stück weit zu überwinden. Einem Künstler wie Jason Kahn kann ich mich nicht annähern, wenn ich mir sage: Percussion mag ich sehr, Elektronik eher nicht! Je mehr ich mich mit ihm beschäftige, desto mehr stelle ich fest, dass ich ihm so nicht gerecht werden kann.

Als ich anfing, mich mit diesem Beitrag zu beschäftigen, machte ich Wanderurlaub in einem Mittelgebirge. Einmal wanderte ich an einem Fluss entlang. Solange ich mich in einiger Entfernung des Flusses befand, nahm ich nur sein undifferenziertes, stetiges Rauschen, wahr. Ich wanderte dann unmittelbar an seinem Ufer entlang und setzte mich an einer Stromschnelle, an der er mit hoher Geschwindigkeit über Felsen und Steine stürzte, hin. Hier war sein Klangvolumen überwältigend und ich konzentrierte mich eine Zeitlang. Mein Gehör begann bald, die verschiedenen Frequenzen dieses Rauschens; vom höchsten Gurgeln bis zum tiefsten Rumoren, differenziert wahrzunehmen. Nachdem ich mich wieder entfernt hatte, nahm die Intensität des Rauschens stetig ab und mischte sich mit anderen Klängen, die mehr und mehr dominant wurden. Schließlich empfand ich auch die relative Stille sehr intensiv.

Ich fragte mich, ob Musiker, die intensiv mit elektronischer  Klangerzeugung arbeiten, sich vielleicht in  besonderer Weise mit dem Rauschen beschäftigen; ihr Gehör darauf trainieren, in dieses Rauschen einzudringen und es zu analysieren.

Quelle: voxpopuligallery.org

Anmerkung von fRANKb:

Rauschen beinhaltet alle möglichen Frequenzen unseres Hörsinns. Als Ausgangsmaterial mit anschließender Filterung und Modulation könnte jeglicher Sound und Ton erzeugt und „gestaltet“ werden. Ähnlich einem Bildhauer der aus einem rohen, kubischen Betonklotz, eine Skulptur heraus meißelt.

Die Noise-Music ist ein Exempel dieser Radikalität – hier wird eine Klangskulptur lediglich angedeutet bis skelettiert, oder durch das vordergründige Rauschen der tatsächliche klang-musikalische Inhalt verdeckt, bzw. verschleiert – ähnlich dem Blick in eine Nebelwand, in der „irgendwann“ leichte Konturen und Umrisse erkennbar scheinen.

Noise und Rauschen kann den Hörer nach einer individuellen Einhörzeit in einen meditativen Zustand versetzen. Vermutlich hat dieses Phänomen mit dem beruhigenden Geräuschchaos eines Säuglings, vor der Entbindung im Mutterbauch zu tun…

Um wieder auf Jason Kahn zurückzukommen, der ja an den Schnittstellen von elektronischer und akustischer Musik unter bewusster Einbeziehung von Klängen seiner Umwelt interessiert ist, schien mir der Gedanke äußerst interessant. Manche seiner Stücke wie Timelines sind lange, zuweilen massive Klangströme, die dieses Rauschen beinhalten, in denen aber auch konkrete Tonhöhen und Intervalle entstehen und zuweilen sogar unglaublich schöne Harmonien.

Quelle: Jason Kahn "Timelines" (2004)

Timelines, 2004

Ein faszinierendes, 70-minütiges, eine ganze CD langes Stück, das im Kontext eines anderen Schwerpunktes seiner Arbeit steht: Kompositionen für Ensembles, die auf graphischen Partituren basieren. Jede dieser Kompositionen ist für eine andere Instrumentierung und personelle Besetzung geschrieben, so dass auch keine Partitur der anderen „gleicht“. Diese Partituren bestehen aus in einem Zeitraster eingetragenen Zeichen und Symbolen, Linien, Kurven, Wellen etc. Timelines ist eine elektro-akustische Komposition für sechs Spieler (inkl. Kahn selbst), der eine solche graphische Partitur zugrunde liegt. Die Instrumentierung besteht aus Kontrabass, ipod, analoger Synthesizer, Gitarre, MiniDisc, Powerbook und deformierte Alltagselektronik.

Dotolim, 2010

Dotolim ist eine ebenfalls 70-minütige, rein elektronische Komposition für sechs Spieler mit der Instumentierung: Analog-Synthesizer, Kurzwellenradio, Plattenspieler, Lautsprecher, Mixer, CD-Spieler, Festplatte, Federhall und Mikrofon.

Quelle: Jason Kahn "Dotolism" (2009)

 

Neben solchen Ensemble-Kompositionen steht die Arbeit in frei improvisierten Settings; hier sticht besonders das Trio Tetuzi Akiyama (Gitarre), Jason Kahn (Schlagzeug) Toshimaru Nakamura (no-input-mixingboard) hervor.

Anspiel-Tip: between two, CD, 2015

Quelle: coaxialarts.org

Gitarre und Stimme, Schlagzeug und Stimme, Umwelt und Stimme

Neben seinen Solo-Arbeiten für Stimme experimentiert Kahn mit der Kombination seiner Stimme mit anderen Elementen. Die „naheliegendste“ Kombination ist gewöhnlich die von Stimme und Gitarre. Die Gitarre, sein eigentliches Erst-Instrument, entdeckte er in den letzten Jahren wieder. Er spielt eine akustische Resonator-Gitarre; meist mit einem Slide. Der Bezug zu Mississippi-Delta-Blues liegt hier nahe; auf Circle von 2018 wird dieser Bezug durch seinen Gesang besonders deutlich, obgleich er keine Worte verwendet. Seine  Stimme ist volltönend, expressiv, kehlig, raunend, stöhnend, klagend, bluesig-erdig. Alle Stücke sind Improvisationen, die um ein bestimmtes tonales Material, eine Stimmung, einen Gemütszustand kreisen; improvisierte Songs, von denen jeder seine eigene Geschichte zu erzählen scheint. Für den Blues-Musiker ist die Gitarre eine Verlängerung bzw. Erweiterung seiner Stimme; zuweilen wird sie sogar zu seiner Hauptstimme, dann wieder zum Begleitinstrument für seine Gesangsstimme.

Auf der LP Spirits von 2020  geht er noch einen Schritt weiter: Es sind Duo-Aufnahmen mit dem Perkussionisten Christian Wolfarth. Hier stellt er Stimme und Gitarre in den Kontext völlig offener, freier Duo-Improvisation.

Auf der LP Lining Out von 2018  kombiniert Kahn seine Stimme mit dem Schlagzeug: Hier ist es reines Free-Drumming; nicht ansatzweise gibt es feste Rhythmen oder Grooves. Auch hier geht seine Stimme eine organische Verbindung mit dem Instrument ein: mit Rasseln, Schellen, Bass-Drum, Hi-Hat, Snare, Becken und anderen Elementen seines Drum-Sets. Er verwendet auch schamanistische Gesangstechniken und Elemente ritueller Gesänge. Solche Assoziationen liegen nahe, aber er ist genauso wenig (oder genauso viel!) Schamane wie Blueser, sondern adaptiert diese Elemente, um seinen ureigenen künstlerischen Ausdruck zu finden.

Voice and Sky von 2018 dokumentiert Aufnahmen, die er bei einer Bergwanderung im Schweizer Kanton Appenzell gemacht hat. Mit seiner Stimme setzt er sich selbst in Beziehung zu den Orten und Stationen seiner  Wanderung und die Orte und Stationen in Beziehung zu sich: ein See, ein Wasserfall, ein Berg, eine Kapelle, ein Bahnhof oder auch der beschwerliche Pfad zum nächsten Gipfel.

Quelle: cafeoto.co.uk

In Place, Buch, ErrantBodies Press, 2015, in Englisch

Ein anderer Aspekt in Jason Kahns Arbeit sind Audio-Aufnahmen von öffentlichen Plätzen, Straßen, der Natur, seiner Familie, von „überall, wohin ich ein Mikrofon mitnehmen konnte“. Diese Aufnahmen verwendete er für Installationen, Kompositionen, Tonträger etc. Er stellte fest, dass er sich beim Abhören der Aufnahmen fragte: „… aber was war der Kontext, in dem ich diese Klänge aufgenommen habe? Was war die ihnen innewohnende Natur dieser Plätze, von der noch Spuren in diesen Aufnahmen zu finden waren? Ich begann zu fühlen, dass ich mit meinen Mikrofonen eine Mauer zwischen mir selbst und diesen Orten errichtet habe…“. Aus dieser Erkenntnis heraus und inspiriert durch die französischen Philosophen Henri Lefebvre und Maurice Merleau-Ponty kam er zu der Frage: „Wohin würde es mich führen, einfach einen Tag an einem Ort zu verbringen und nichts anderes zutun als einfach nur dort zu sein?“.

Daraus entstand das Projekt In Place. Zwischen 2011 und 2013 besuchte er öffentliche, meist urbane Plätze, Kreuzungen, Tempelanlagen, Kirchen etc. in Japan, Korea, Belgien und vor allem in seiner Heimatstadt Zürich. „In Städten rund um die Welt ging ich zu verschiedenen Plätzen und verbrachte einen Tag dort. Überall blieb ich acht bis zwölf Stunden. Ich schrieb nichts auf, machte keine Fotos, hatte kein Telefon dabei und machte keinerlei Aufnahmen. Meistens sprach ich mit niemandem…“.
Er bleibt lange an einem Platz sitzen, geht ab und zu an einen anderen Platz, um den Ort aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen. In den Tagen danach notiert er erst seine Erinnerungen.

Es ist eine wirklich spannende und inspirierende Lektüre. Detailliert beschreibt er seine Beobachtungen, seine Wahrnehmung vom Kommen und Gehen der Menschen, von Klängen, Ereignissen, ornamentalen Elementen wie z.B. Brunnen, von den akustischen Eigenheiten der Orte aus unterschiedlichen Perspektiven und zu verschiedenen Tageszeiten. Und er reflektiert darüber, was all das ihn ihm selbst auslöst und bewirkt. Er wird aktiver Teil dieser Orte, sie dringen in seinen Körper und seinen Geist ein. Uns Bewohnern von Großstädten ist das, was er beschreibt, relativ vertraut, aber da wir meistens nur von Punkt A nach Punkt B rennen, nehmen wir Orte und ihre Eigenschaften, Dinge die sich an ihnen ereignen, nur oberflächlich war; wir machen uns keine Gedanken darüber, oft sind wir genervt. Das Nicht-präsent-sein wird heute noch extrem verstärkt durch Smartphones und Kopfhörer.

Aber vor allem haben wir verlernt, nichts zu tun, dabei ist es die Vorraussetzung für aufmerksame Wahrnehmung und Reflexion!

Zu meiner freudigen Überraschung bin ich dann noch auf eine Aufnahme gestoßen, die eine Wiederbegegnung von Jason Kahn mit dem wunderbaren Joe Baiza 2017 in Zürich dokumentiert, Two Duos. Es ist eine sehr „klassische“ freie Improvisation; angeregt, intensiv und dabei völlig entspannt. Auch Joe Baiza traf ich vor nicht langer Zeit in Köln; im Blue Shell … aber das ist eine andere Story.

Quelle: thewire.com.uk

Weiterführende Links von Jason Kahn

Links zu andern im Text erwähnten Musikern